Ernährung

Als Lupus-Betroffene*r kannst du selbst entscheidend dazu beitragen, die Krankheit zu beruhigen und besser mit ihr zu leben. Auch wenn die medikamentöse Therapie hierdurch nicht ersetzt werden kann, so kann sich die richtige Ernährung positiv auf dein Immunsystem und damit auf den Lupus-Verlauf auswirken. Wichtig bleibt, dass du mit Genuss isst. So fällt dir Kontinuität leicht und positive Ernährungseffekte stellen sich nachhaltig ein, denn diese machen sich häufig erst mittel- bis langfristig bemerkbar. Zur Beruhigung: Es gibt keine Lupus-Diät! Häufig klappt es schon mit einem anti-entzündlichen Ernährungsprofil, indem du bestimmte Gerichte modifizierst. Lies hier mehr dazu.

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Was Organbeteiligungen und andere Erkrankungen für deine Ernährung mit Lupus bedeuten

Um dir deutlich zu machen, wie wichtig die Ernährung für dich als Lupus-Patient*in ist, haben wir das Thema Organe direkt als erstes platziert. Zieht der Lupus z. B. die Nieren in Mitleidenschaft, entscheidet die richtige Nahrungsauswahl mit über den weiteren Krankheitsverlauf. Es geht dann darum, die Nierenfunktion zu schonen bzw. das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu bremsen. Ob die Nieren oder andere Organe und Organsysteme vom Lupus betroffen sind oder in Folge des Lupus und dessen Behandlung andere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Osteoporose auftreten können, immer gilt: Auch für die Ernährung sind die ärztlichen Empfehlungen relevant. In Abhängigkeit vom Krankheitsstadium und den medizinischen Daten können sie unterschiedlich sein. Lass dich von deiner Ärztin oder deinem Arzt beraten, wie du mit deiner Ernährung dazu beitragen kannst, deinen ganz eigenen Lupus bestmöglich zu beruhigen.

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Lese-Tipp zu Lupus und Ernährung 

Für Lupus-Betroffene wird eine antientzündliche Ernährungsweise empfohlen. Sie reduziert Nahrungsmittel mit den ungünstigen Stoffen möglichst stark im Speiseplan, während sie die positiv wirkenden Nahrungsmittel verstärkt berücksichtigt. Wenn du mehr über wertvolle Omega-3-Fettsäuren, Phyto-Nährstoffe und Antioxidantien erfahren willst oder dich einfach durch leckere Rezepte für deinen Speiseplan inspirieren lassen möchtest: Du findest die Broschüre „Lupus und Ernährung“ hier zum Herunterladen.

Basics: Was macht eine ausgewogene Ernährung für Menschen mit Lupus aus?

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In den letzten 20 Jahren haben Forscher*innen das Potenzial von Ernährungsfaktoren beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) untersucht. Um die Aktivität des SLE unterstützend positiv zu beeinflussen (also die entzündliche Entwicklung zu verringern), wird in der aktuellen medizinischen Fachliteratur beschrieben, dass eine kalorien- und eiweißarme Ernährung wichtig ist – mit hohen Anteilen an Ballaststoffen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und ausreichend Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen (wie z. B. Polyphenolen).

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fasst die grundlegenden Empfehlungen zum „Was“ und „Wie“ in den 10 Regeln der Vollwerternährung zusammen. Mit diesen Empfehlungen für eine ausgewogene Zusammenstellung der Nahrung schaffst du die Grundlage für eine entzündungshemmende Ernährung, die zugleich nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand auch an die menschliche Physiologie angepasst ist. Das bedeutet: Du achtest darauf, dass du alle nötigen, gesunderhaltenden Nähr- und Vitalstoffe isst und gleichzeitig so viele Kalorien zu dir nimmst, die dein Körper braucht. Zudem ist es immer wichtig, genügend zu trinken.

Tipps und Tricks

Die Vollwerternährung beschreibt nicht besondere Produkte oder einzelne Nahrungsmittel, sondern erklärt anhand von grundlegenden Aspekten das „Wie“ und „Was“ einer ausgewogenen Ernährung. Wer die 10 Regeln der Vollwertkost beherzigt, schafft für sich das Grundgerüst einer ausgewogenen/gesunden Ernährung – und das krankheitsübergreifend, also auch für Gesunde geltend!

Vergleicht man alle unsere Nahrungsmittel (pflanzliche/tierische Produkte) bzw. Nahrungsbestandteile (Eiweiße/Fette/Zucker) mit Star-Musiker*innen eines Orchesters, so hat jede*r einen besonderen Stellenwert. Doch erst mit dir als Dirigent*in, beim Umsetzen der 10 Regeln, spielen die einzelnen Musiker*innen auch eine Sinfonie für deine Gesundheit. Gesunde Ernährung hat dabei nichts mit Verzicht und Selbstkasteiung zu tun.

Die 10 Regeln der Vollwerternährung

Zu diesem Thema gibt es natürlich eine Menge Veröffentlichungen. Wir haben hier für dich die 10 Regeln skizziert und bieten dir an ausgewählten Stellen mit Click-Buttons noch ausführlichere Infos.

  • 1. Lebensmittelvielfalt genießen

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    Jedes Lebensmittel erhält unterschiedliche Nährstoffe, die wiederum unterschiedliche Aufgaben und Funktionen haben. Eine einseitige Ernährung birgt somit die Gefahr eines Nährstoffmangels. Auch fallen bei einseitiger Ernährung etwaige Schadstoffbelastungen stärker ins Gewicht. Deshalb ist eine vielfältige Ernährung sinnvoll – je abwechslungsreicher, desto besser.

  • 2. Gemüse und Obst täglich genießen

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    Gemüse und Obst sind wertvolle Lieferanten für Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe (dazu unten mehr). Gemüse sollte mengenmäßig unseren Teller dominieren (schaue dir dazu auch den Ernährungskreis unten an). Gemüse und/oder Obst sollten nach Möglichkeit in jeder Mahlzeit enthalten sein.

    Selbst gesunde Menschen sollten fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag essen. Eine Portion ist so viel wie in eine Hand passt: am besten 3 x Gemüse und 2 x Obst am Tag. Obst mit niedrigem Fruchtzuckergehalt (dazu unten mehr) sollte dabei bevorzugt werden.

    Zwei Faustregeln:
    (1) Beim Gemüse gilt ausnahmsweise die Regel: Viel hilft viel!
    (2) Iss so bunt wie möglich! Versuche, jeweils möglichst viele der Regenbogenfarben auf deinen Teller zu bringen.

    Ideal sind saisonale (und am besten regionale) Produkte, da sie vor der Ernte vollständig reifen konnten und so die meisten Inhaltsstoffe haben. Nimm knackig frische Ware oder greife alternativ zu Tiefkühlprodukten (ohne Zusätze). Konserven sind hier weniger empfehlenswert. Nutze auch die Vielfalt der Kräuter – vielleicht von der eigenen Fensterbank – und leckere Gewürze.

    Mehr Infos? Mit einem Click auf die Buttons erfährst du mehr:

    Sekundäre Pflanzenstoffe

    Fruchtzuckergehalt von Obst

    Schnell umsetzbar in der eigenen Küche

  • 3. Vollkorn (produktübergreifend) wählen

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    Für eine ausgewogene Ernährung sollten Vollkorn-Lebensmittel (u. a. Getreideprodukte / Mahlerzeugnisse) den mengenmäßig zweitgrößten Anteil auf unserem Teller haben – gleich nach den pflanzlichen Lebensmitteln. Besonders Vollkornprodukte liefern neben Hülsenfrüchten und Nüssen/Trockenobst viele Ballaststoffe.

    Eine gesteigerte Ballaststoffzufuhr wird mit vielen positiven Gesundheitswirkungen in Verbindung gebracht. Hierzu gehören eine Risikoreduktion für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2, Karies, Cholesterin-Entgleisungen, Dickdarmkrebs und Bluthochdruck.

    Die mit den Vollkornprodukten aufgenommenen Kohlenhydrate sättigen lange. Auch Kartoffeln liefern in Form der „resistenten Stärke“ wertvolle Ballaststoffe.

    Für Lupus-Betroffene besonders interessant: Eine Studie hat gezeigt, dass Patient*innen mit einer höheren Ballaststoff-Aufnahme ein niedrigeres Risiko für aktive Entzündungen im Rahmen des SLE hatten.

    Tipps und Tricks


    Jedoch ist nicht alles Vollkorn, was so aussieht: Schaue immer auf das Zutatenverzeichnis, ob dort wirklich „Vollkorn“ steht, oder frage bei unverpackter Ware das Verkaufspersonal.

    Nach den Empfehlungen der DGE sollte eine Ballaststoffaufnahme von mindestens 30 g pro Tag angestrebt werden. Im Durchschnitt liegen wir allerdings häufig weit darunter. Doch wie können wir die persönliche Ballaststoffzufuhr steigern? Durch Auswahl geeigneter Lebensmittel. Hier eine grobe Übersicht zum Ballaststoffgehalt:

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  • 4. Tierische Nahrungsmittel ergänzend verwenden

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    Wenn tierische Nahrungsmittel deinen Teller ergänzen (gemäß Ernährungskreis (siehe weiter unten) im Umfang von insgesamt etwa 25 %), bereichern sie das Nahrungsangebot auf vielfältige Art und Weise. Als grobe Faustregel kann ein Mengenverhältnis von 2/3 Milchprodukten (Käse/Joghurt/Quark/Kefir u. a.) und 1/3 anderweitiger tierischer Nahrungsquellen (mehr Fisch als Eier und mehr Eier als Fleisch) dienen. Die Vorteile der tierischen Produkte liegen häufig in einer hohen Nährstoffdichte (Eiweiße, Vitamine, Spurenelemente) mit guter Bioverfügbarkeit durch unseren Stoffwechsel.

    Im Überblick sind dies:

  • 5. Hochwertige und gesundheitsfördernde Fette/Öle verwenden

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    Ohne Fett geht es nicht! Das Problem in unserer heutigen Ernährung liegt jedoch in der überwiegenden Aufnahme von „zu viel“ und dem „falschen“ Fett. Nach der optimalen Nährwertverteilung der DGE können 30 % unserer täglichen Nährwert-Aufnahme (kcal) aus Fetten stammen. In der Realität sind es jedoch zumeist 40 % und mehr.

    Eine Schlüsselrolle in der anti-entzündlichen Ernährung kommt den täglich aufgenommenen Fettsäuren zu. Fett ist hierbei trotz der sehr hohen Energiedichte nicht einfach pauschal als negativ zu betrachten. Die Aufnahme der richtigen Fettsäuren geht durchaus mit bedeutsamen positiven Gesundheitseffekten einher.

    Fette/Fettsäuren liefern nicht nur viel Energie, sondern erfüllen in unserem Körper vielfältige und darunter auch sehr wichtige immunologische Funktionen. Hierzu gehören sowohl positive als auch negative Beeinflussung unseres Blut-Cholesterol-Spiegels, Wechselwirkungen mit unserer Blutgerinnung und der innersten Zellauskleidung unserer Gefäße (Endothel). Sie beeinflussen zudem eine Vielzahl von Entzündungsvorgängen und sind für den Aufbau unserer Zellwände und die Nerven-/Gehirnfunktion unerlässlich.  

    Einige wichtige Aspekte haben wir für dich zusammengestellt:

    • Vorsicht: gesättigte Fettsäuren

      Wirf beim Einkaufen immer einen Blick auf die Nährwerttabellen. Auch wenn gesättigte Fettsäuren in unserem Körper wichtige Funktionen erfüllen, so kann eine übermäßige Zufuhr den Cholesterinspiegel erhöhen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Diabetes steigern. Gesättigte Fettsäuren stecken vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten.

    • Vorsicht: Entzündungsbotenstoffe & Arachidonsäure

      Charakteristisch für die Gelenkentzündung beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis ist die vermehrte Bildung von pro-entzündlichen Botenstoffen in den betroffenen Gelenken. Diese Entzündungsbotenstoffe leiten sich von der vierfach ungesättigten Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure ab. In diesen Entzündungsbotenstoffwechsel greifen im Übrigen auch die klassischen Schmerzmittel (Ibuprofen/Diclofenac u. a.) ein. Warum also nicht auf diesen Teil der Entzündung Einfluss mit einer nebenwirkungsfreien Methode nehmen? Mit deiner Ernährung! Arachidonsäure kommt in pflanzlichen Nahrungsmitteln – wenn überhaupt – nur in geringfügigen Spuren vor.

      Die Tabelle informiert über den Arachidonsäuregehalt ausgewählter Nahrungsmittel:

    • Ein wichtiger Baustein: Omega-3-Fettsäuren

      Als Gegenspieler der Arachidonsäure können die Omega-3-Fettsäuren bezeichnet werden. Sie wirken vielfältig den pro-entzündlichen Effekten der Arachidonsäure in unserem Körper entgegen, indem sie a) die Bildung von Arachidonsäure in unserem Körper verringern, b) die Arachidonsäure aus unseren Zellwänden verdrängen, c) die Arachidonsäurefreisetzung im Falle eines Entzündungs-Stimulus verringern und d) im Falle einer laufenden Entzündung auch am entsprechenden Enzym, welches Entzündungsbotenstoffe in unseren Zellen herstellt, mit der Arachidonsäure in Konkurrenz treten.

      Die Tabelle informiert über den Omega-3-Fettsäuregehalt ausgewählter tierischer Produkte:

      Die Tabelle informiert über den Omega-3-Fettsäuregehalt ausgewählter pflanzlicher Öle:

    • Zusammenspiel Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

      Unser Stoffwechsel ist in der Lage, Omega-3-Fettsäuren pflanzlicher Herkunft zu einem geringen Teil in die für uns nutzbaren tierischen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) umzuwandeln. Dies geschieht aber nur mit einer Umwandlungsrate von ca. 5 % (EPA) bzw. 0,5 % (DHA). Diese sinken noch weiter, wenn gleichzeitig viel Omega-6-Fettsäuren-zugeführt werden, da dann in denselben Stoffwechselwegen Arachidonsäure hergestellt wird.

      Daher solltest du sie mit Bedacht und in ausgewogenem Verhältnis mit Omega-3-Fettsäuren genießen. Eine in diesem Zusammenhang und unserer täglichen Ernährung bedeutsame Omega-6-Fettsäure ist hierbei die Linolsäure (nicht zu verwechseln mit Alpha-Linolensäure!). Die Linolsäure kommt vor allem in pflanzlichen Ölen wie Sojaöl, Sonnenblumenöl und Maiskeimöl, in Nüssen und fettreicher Wurst bzw. fettreichem Fleisch vor. Derzeit geht man davon aus, dass ein Omega-6-zu-Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis von nicht mehr als 4:1 bis 6:1 günstig ist. In der Realität nehmen vielen Menschen wesentlich mehr Omega-6-Fettsäuren zu sich.

    • Praxis-Tipps für den Alltag

      Es bringt also nichts, einfach alles beim Alten zu lassen und nur Fischölkapseln zusätzlich einzunehmen, um die positiven Effekte der Omega-3-Fettsäuren für sich nutzbar zu machen. Vielmehr sollten beide Stellschrauben gleichzeitig angegangen werden:

      1. Steigere deine Omega-3-Fettsäureaufnahme, indem du 2 x wöchentlich Fisch (Lachs/Hering/Makrele/Sardine u. a.) isst und wertvollen Salatölen (Leinöl, Walnussöl, Rapsöl) einen festen Platz in deiner täglichen Küche gibst. 
      2. Reduziere die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Arachidonsäure, indem du tierische Nahrungsmittel nach der relativen Mengenangabe des Ernährungskreises (hier) [Sprunglink zum Ernährungskreis weiter unten setzen] bewusst einsetzt. Auch innerhalb der tierischen Nahrungsmittel lohnt sich der Vergleich hinsichtlich des Fettsäureprofils und absoluten Fettgehaltes (Beispiel: Salami 1A (hochwertigere Salami) vs. Hähnchenbrust).

    Drei zentrale Strategien für ein anti-entzündliches Ernährungsprofil

    1. Reduziere die tägliche Arachidonsäurezufuhr mit deiner Nahrung.
    2. Steigere die tägliche Zufuhr von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren.
    3. Versuche, den Verzehr von Nahrungsmitteln einzuschränken, die reich an gesättigten Fettsäuren sind. Hier lohnt sich der Griff zu fettarmen Produkten.
  • 6. Bei Zucker und Salz vorsichtig sein

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    Verzichte auf das Nachsalzen oder Nachsüßen deines Essens. In diesem Zusammenhang sind auch Fertiggerichte stets kritisch zu bewerten, da sie häufig stärker gesüßt/gesalzen sind, als wir denken. Auch weitere verarbeitete Lebensmittel wie (Frucht-)Milchspeisen und Säfte enthalten oft mehr Zucker als erwartet.

    Eine verstärkte Salz- und Zuckerzufuhr über unsere tägliche Nahrung wird dabei mit Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 oder Übergewicht (Adipositas) in Verbindung gebracht. Allesamt Begleiterkrankungen, welche auch leider gehäuft beim Systemischen Lupus erythematodes auftreten und deren Risiko es in jedem Fall zu reduzieren gilt.

    Tipps und Tricks


    Tipp: Schaue beim Einkaufen auf die Nährwerttabellen der Verpackungen. Sie bergen viele Überraschungen, nicht nur in Bezug auf Zucker und Salz. Oft ist Selbermachen die viel bessere Wahl.

    • Sind Süßstoffe besser als Zucker?

      Zucker (Kohlenhydrate) verstecken sich hinter vielen Begrifflichkeiten. Es ist dabei zunächst gleichgültig, ob es sich beim aufgenommenen Zucker um Haushaltszucker/Rohrzucker (Saccharose), Glukose-/Fruktose-Sirup, brauner/weißer Zucker, Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker etc. handelt. Doch wie verhält es sich mit Süßstoffen wie z. B. Aspartam, Acesulfam K, Sucralose? Solche Süßstoffe sind synthetisch hergestellte Zuckerersatzstoffe, welche keinen oder nur einen geringen Kcal-Gehalt haben, aber eine vielfache Süßkraft besitzen. Die Aussage, solche Süßstoffe seien eine sichere Alternative zum klassischen Zucker, kann derzeit nicht getroffen werden. Die momentan verfügbare Studienlage lässt zwar keine klare Empfehlung für oder gegen Süßstoffe zu. Jedoch wird weiterhin über negative Auswirkungen der Süßstoffe wie Appetitsteigerung, Veränderungen der Darmflora, Beeinflussung des Krebsrisikos u. a. spekuliert. Die wissenschaftliche Datenlage hierzu ist aber nicht ausreichend, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen.

      Eine Empfehlung kann aber sein, dass Süßstoffe schrittweise verwendet werden könnten, um sich von einem hohen Zuckerkonsum zu „entwöhnen“. Süßstoffe also als kurzfristige Übergangslösung zu betrachten, um letztendlich das Ziel zu erreichen, sowohl den Zucker- als auch den Süßstoffkonsum zu verringern.

  • 7. Ausreichend Wasser trinken

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    Wasser steht im Ernährungskreis im Zentrum. Tagtäglich verliert unser Körper Flüssigkeit. Trinke daher 1,5-2 Liter – jeden Tag! Achte auf kalorienfreie Durstlöscher. Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie grüner Tee sind gut. Es gilt: Zu wenig ist schlecht, zu viel ist auch nicht besser! Eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr über das Durstgefühl hinaus, mit der Absicht die Nieren durchzuspülen bzw. so die Entgiftung zu fördern, gilt es zu vermeiden: Bei einem Überangebot an Flüssigkeit haben die Nieren zusätzliche Arbeit, um einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten, was sogar einen Anstieg der Nierenwerte zur Folge haben kann.

    Nach zwei Dingen wird immer gefragt:

    • Kaffee bzw. Schwarztee?
      Kein Problem! Beide enthalten anti-oxidative Substanzen und sekundäre Pflanzenstoffe und dürfen somit durchaus als anti-entzündlich bezeichnet werden. Dennoch solltest du dich bei schwarzem Tee oder Kaffee auf bis zu drei Tassen am Tag beschränken.
    • Alkohol?
      Obwohl wissenschaftliche Studien andeuten, dass regelmäßiger und moderater Alkoholkonsum zu einem selteneren Auftreten von SLE führt, so kann im Falle der vorhandenen Erkrankung kein Unbedenklichkeits-Attest ausgestellt werden. Trinke Alkohol, wenn überhaupt, nur in Maßen. Die Leber ist oft schon durch die notwendigen Medikamente belastet, sodass Alkohol die Gefahr einer Leberschädigung zusätzlich erhöht.
  • 8. Schonende Zubereitungsmethoden wählen

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    Besonders viele Nährstoffe bleiben erhalten, wenn du dein Essen nur mit geringer/kurzer Hitzeeinwirkung zubereitest (bspw. Garmethoden wie Dünsten oder Dampfgaren). Ein nicht unerheblicher Nebeneffekt: Wenn weniger verbrennt/anbrennt, entstehen auch weniger krebserregende Stoffe (heterozyklische aromatische Amine u. a.).

  • 9. Auch beim Essen und Trinken achtsam sein

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    Viele von uns verhalten sich gesundheitsbewusst oder streben es zumindest an. Genießen wir aber unser Essen & Trinken mit der Achtsamkeit, wie es ihm gebührt? Häufig geschieht Ernährung „nebenbei“ – unter dem Einfluss beruflicher, privater oder vielleicht auch krankheitsbezogener Stressoren. Gönnst du dir eine Pause für deine Mahlzeiten und lässt dir Zeit beim Essen?

    Hinzu kommt, dass unsere Ernährung zu einem Großteil durch individuelle Gewohnheiten und Routine geprägt wird. Bei vielen Menschen tauchen Evergreen-Gerichte in regelmäßigen Abständen auf dem Speiseplan auf. Auch deshalb, weil sie schnell eingekauft und zubereitet sind und im Alltag „funktionieren“. Für Mütter und Väter kommt die Herausforderung hinzu, gesunde Gerichte zuzubereiten, die obendrein noch allen Familienmitgliedern schmecken sollen.

    Die Fragen „Was kann gesund gegessen werden?“ und „Wie kann gesund gegessen werden?“ stellen sich im gleichen Atemzug:

  • 10. In Bewegung bleiben

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    Ein aktiver Alltag ist wichtig: öfter zu Fuß gehen, Besorgungen mit dem Rad machen, statt dem Aufzug die Treppe nehmen… du kennst das.

    Regelmäßiger Sport tut ein Übriges, um – neben der medikamentösen Behandlung – den Krankheitsverlauf zu fördern. Unsere Broschüre „Sport und Bewegung“ – auch mit einfachen Übungen für zuhause – kannst du im Download-Bereich hier herunterladen.


Die Schablone für deinen Teller – der Ernährungskreis der DGE

Mit den 10 Regeln kennst du nun gute Gründe für die Zusammenstellung und Auswahl der Hauptnahrungsbestandteile. Wenn es um die Mengenverhältnisse auf deinem Teller geht, hilft der Ernährungskreis, die richtige Mischung zu finden.

Mit dem Ernährungskreis vor dem inneren Auge hast du eine Schablone immer bei dir, um sie auf dein aktuelles Gericht anzuwenden:

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Der Ernährungskreis in der Anwendung:

  • Ein Beispiel mit Currywurst und Pommes

    Folgendes Schwarz-Weiß-Beispiel soll dir auf leichte Weise die grundlegende Bedeutung des Ernährungskreises verdeutlichen: Sicherlich würde kaum jemand auf die Idee kommen, Currywurst mit Pommes mit einer großen Portion Mayonnaise als gesundheitsfördernd darzustellen. Trotzdem gehört dieses Gericht bisweilen zur Lebensrealität und wie eingangs gesagt, sollte (Lupus-konforme) Ernährung keine Selbstkasteiung werden. Wenn du also einmal große Lust auf dieses Gericht verspürst, so versuche doch, den Currywurstanteil auf ca. 20 % und den Pommes-Anteil auf ca. 30 % deines Tellers mit einem Klecks Mayonnaise zu begrenzen. Die restlichen ca. 50 % des Tellers sollten dann mit einer pflanzlichen Beilage wie z. B. Krautsalat gefüllt sein – und schon wird dich kein*e Ernährungsmediziner*in mehr schief ansehen. Sofern natürlich dieses Gericht nicht zweimal pro Woche auf dem Tisch landet.

  • Süßigkeiten + Genussmittel

    Sie heißen Genussmittel und deshalb solltest du sie auch genießen – jedoch sehr bewusst und wirklich nur in Maßen. Fast alle Süßigkeiten, Kuchen, Torten und Snacks beinhalten sehr viel Zucker und Fett und stecken somit voller Kalorien. Meist werden ungünstige, entzündungsfördernde Fette verarbeitet. Sie enthalten oft auch Zusatzstoffe, jedoch keine wertvollen Inhaltsstoffe.

    Kleine Mengen sind im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung in Ordnung. Eine wegen der wertvollen Antioxidantien besonders gut verträgliche Auswahl: gelegentlich (!) eine kleine Portion Zartbitterschokolade und manchmal (!) ein Glas Rotwein.

  • Abnehmen mit dem Ernährungskreis – die LOGI-Methode

    Eine leichte, vollwertige Ernährungsweise kann dabei helfen, Übergewicht zu reduzieren. Übergewicht wirkt sich nachweislich schlecht auf das Entzündungsgeschehen aus. Vor allem überschüssiges Bauchfett produziert vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe und stellt somit eine zusätzliche Belastung dar. Zudem ist deutliches Übergewicht unabhängig mit der SLE-Aktivität assoziiert und die Adipositas wurde als unabhängiger Risikofaktor für die Verschlechterung der Funktionsfähigkeit, der Müdigkeit (Fatigue) und des Entzündungszustands von SLE-Betroffenen beschrieben. Die häufig unumgängliche Kortison-Therapie geht nicht selten mit einer übermäßigen Gewichtszunahme und der Entwicklung eines Kortikosteroid-induzierten Diabetes einher.

    In diesem Spannungsfeld kann dann eine Abwandlung des Ernährungskreises helfen, in dem die Hälfte des Tellers mit Gemüse, 30 % mit Eiweißquellen wie Fisch und 20 % mit ballaststoffreichen Beilagen (Vollkornprodukten) gefüllt sind. Dieses Teller-Prinzip wird in der sogenannten LOGI-Methode zusammengefasst. Die Abkürzung LOGI steht für „Low Glycemic and Insulinemic“, was niedriger Blutzucker- und Insulinspiegel bedeutet. Das Prinzip geht in eine ähnliche Richtung wie der „Low Carb“-Ansatz.

    Für eine intensivere Auseinandersetzung/Verfolgung des LOGI-Ansatzes empfiehlt sich im Alltag eine begleitende Ernährungsberatung: So kann beim Gemüse auch die effizienteste Auswahl mit niedrigem glykämischen Index und glykämischer Last getroffen werden.

Tipps für eine Ernährungsumstellung

Da sind sie, die guten Vorsätze... Damit aus guten Vorsätzen gute Taten werden, braucht es einen guten Plan. Schritt für Schritt geht es mit kleinen Veränderungen voran und die gute Ernährung wird bald zur Routine. Nicht ganz unwesentlich: Du kannst eine gesunde Ernährung mit jedem Budget realisieren.

Wenn du dich mit deiner Ernährungsumstellung beschäftigst, helfen dir vielleicht diese Punkte:

  • 1. Ziele setzen

    Wer nicht weiß, wohin es geht, kann auch nicht in die richtige Richtung gehen. Bedeutet für dich: möglichst konkrete Ziele setzen. Es reicht nicht, sich vorzunehmen: „Ich ernähre mich ab sofort gesünder.“ Auch ist es nicht damit getan zu sagen, ab morgen esse ich weniger Fleisch und mehr Gemüse. Vielmehr solltest du dir gerade in der Anfangszeit einen 7-Tage-Masterplan für die gesamte Woche zurechtlegen, in welchem du klar definierst, wann deine fleischfreien Tage platziert sind und wann du z. B. ein Fisch- oder doch Fleischgericht einplanen willst. Dies ist auch wichtig, um den Überblick zu behalten und Ernährung nicht nur bewusst zu genießen, sondern auch bewusst einzusetzen. Häufig funktioniert der Einkauf so zudem noch effizienter und kostensparender.

  • 2. Ernährungsverhalten analysieren

    Ein Tagebuch kann unterstützen, das aktuelle Ernährungsverhalten zu analysieren, und bei der Umstellung hilfreich sein. Nutzt du ein solches Tagebuch, um zu erkennen, wo mögliche Gründe für eine ungesunde Ernährung oder Ausreißer liegen (beruflicher/privater Stress? Bequemlichkeit?). Ob und welche Lebensmittel bzw. Bedingungen bei dir Schmerzen und andere Lupus-Beschwerden verschlimmern oder auch verbessern, kannst du mit einem Ernährungs- und Symptomtagebuch besser erkennen. Zusammenhänge und Auswirkungen können sichtbar werden, wenn du aufschreibst, was du gegessen hast und wie es dir geht. Dies hilft dir dabei, bei der Ernährung die richtigen Veränderungen vorzunehmen, und dient im Arztgespräch als gute Gedächtnisstütze.

  • 3. Motivation + Organisation

    Bereits vorprogrammierte Schwierigkeiten vermeiden: Eine Ernährungsumstellung erfordert – auch wenn sie schlussendlich Spaß bringt und zur Routine wird – gerade in der Anfangszeit organisatorischen Aufwand sowie reichlich Motivation. Es ist völlig normal, wenn teilweise Unsicherheit und Selbstvorwürfe aufkommen. Plane deshalb nach Möglichkeit den Beginn deiner Ernährungsumstellung nicht in starken Stressphasen.  

  • 4. Ernährungsberatung

    Es kann zudem sinnvoll für dich sein, neben der ärztlichen Behandlung eine qualifizierte Ernährungsberatung an deiner Seite zu haben. Sie oder er hilft die dabei, die Empfehlungen auf deine persönliche Lebenssituation und deinen Alltag anzupassen.

Noch ein paar Worte zu Nahrungsergänzungsmitteln

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Sprich auf jeden Fall mit deiner Ärztin/deinem Arzt, bevor du Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamine zusätzlich zu deiner Ernährung zu sich nimmst – egal, ob du eine Ernährungsumstellung in Angriff nimmst oder ein spontaner Impuls, eine Empfehlung dich dazu bringt. Die Mittel können mit deinen Medikamenten in Wechselwirkung treten, also deren Wirkung abschwächen oder verstärken. Auch solltest du mit ihnen keine Medikamente ersetzen, die deine Ärztin/dein Arzt verschrieben hat. Mit dem ärztlichen Einverständnis können Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamine jedoch eine hilfreiche Unterstützung in deinem Behandlungsplan sein.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe

    Bitte beachte: Die isolierte Zufuhr künstlich hergestellter sekundärer Pflanzenstoffe kann nach derzeitigem Kenntnisstand der Wissenschaft nicht angeraten werden. Ein negatives Beispiel ist das Beta-Carotin, welches in isolierter (Hochdosis-)Zufuhr auch zu einer Risikoerhöhung für unterschiedliche Krebsarten führen kann.

    Nochmal in die Infos zu den sekundären Pflanzenstoffen einsteigen? Einfach auf den Button klicken:

    Sekundäre Pflanzenstoffe

  • Algen-/Fischölpräparate

    Sie enthalten hochdosiert die für den menschlichen Organismus bedeutsamen Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) + Docosapentaensäure und Docosahexaensäure (DHA)). EPA und DHA können Immunvorgänge, welche beim SLE eine Rolle spielen, positiv beeinflussen. Weitere Studien weisen auch auf einen positiven Effekt der Omega-3-Fettsäuren auf die Fatigue oder begleitende Depression bei SLE-Betroffenen hin. Wer möchte, kann sich also entsprechende Präparate zusätzlich gönnen. Allerdings kann die zusätzliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren keinesfalls die tägliche positive Beeinflussung des mit der Nahrung aufgenommenen Fettsäureprofils kompensieren.

    Eine hochdosierte (künstliche) Omega-3-Fettsäurezufuhr kann auch Nebenwirkungen haben: Unter anderem treten in ca. 5-10 % der Fälle Durchfall, Völlegefühl, Übelkeit auf.

  • Vitamin D

    Im Falle des Vitamin D können wir eine Ausnahme von der generellen Aussage „Vitamin-Präparate am besten nur im Falle eines nachgewiesenen Mangels einnehmen“ machen.

    Ca. 80 % unseres Vitamin-D-Haushaltes bildet unser Körper selbständig unter Einwirkung von Sonnenlicht. Da in unseren Breitengraden und bedingt durch unseren Lebensalltag häufig die Sonnenlichtintensität nicht ausreichend ist, um die Vitamin-D-Synthese genügend anzukurbeln, stellt der Vitamin-D-Mangel einen der häufigsten Vitamin-Mangelzustände dar. Hinzu kommt, dass gerade SLE-Betroffenen aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit und Medikation eine intensive Sonneneinstrahlung tunlichst vermeiden sollten.

    Da Vitamin D nicht nur für starke Knochen sorgt (Osteoporose-Prophylaxe!), sondern auch eine Vielzahl an Immunfunktionen beeinflusst, kann zumindest in der dunklen Jahreszeit (Oktober bis März) eine angepasste Vitamin-D-Supplementation (800-1000 I.E.) angeraten sein. Im Falle eines bestätigten Mangels auch höher dosiert. Ärztliche Kontrollen sind ratsam!

Lupuscheck Icon wichtige Informationen

Iss und trink gegen Entzündungen an.

Mit einer antientzündlichen Ernährung reduzierst du die Nahrungsmittel mit den ungünstigen Stoffen möglichst stark, während du mehr von den positiv wirkenden Speisen und Getränken verzehrst. Es ist einfacher, als es zunächst scheint. Guten Appetit!

Wir bedanken uns bei Dr. Sebastian Jendrek (Universität Lübeck ) für die Unterstützung bei diesem Kapitel.

NP-DE-LPU-WCNT-220037, Okt22

Die LupusCheck-Expert*innen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johanna Mucke
Oberärztin,
Universitätsklinikum Düsseldorf

Das LupusCheck Expertenteam

PD Dr. med. Johannes Knitza
Oberarzt,
Universitätsklinikum Gießen & Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

PD Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum 
Hamburg-Eppendorf
 

Das LupusCheck Expertenteam

Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz