Impfungen bei Lupus

Menschen mit Lupus haben meist ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Zum einen weil der Lupus das Immunsystem so beschäftigt, dass es weniger Reserven für die Infektabwehr hat. Zum anderen können notwendige Medikamente das Immunsystem schwächen, z. B. Kortison oder anderer Immunsuppressiva. Viele Krankenhausaufenthalte Lupus-Betroffener gehen auf Komplikationen durch Infektionen zurück – Infektionen, die man mit den richtigen Maßnahmen vielleicht hätte vermeiden können. Nicht nur die Infektionen selbst können ernsthaft sein, sie können auch den Lupus-Verlauf negativ beeinflussen. Daher sind alle Maßnahmen zum Infektionsschutz wichtig: auch ein vollständiger Impfstatus mit allen empfohlenen Impfungen. Hier erfährst du mehr.

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Das Robert-Koch-Institut schreibt zum Impfen:

„Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich, unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden nur in seltenen Fällen beobachtet. Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, den Geimpften vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen.“

Warum impfen?

Ein guter Impfschutz ist bei Lupus-Betroffenen aus mehreren Gründen besonders wichtig. Bei ihnen kann das Infektionsrisiko aufgrund der Erkrankung, aber auch als Nebenwirkung der notwendigen Therapien um das Zwei- bis Dreifache erhöht sein. Außerdem können viele Infektions-Erkrankungen bei Lupus-Betroffenen schwerer verlaufen oder gar zusätzliche Krankheitsschübe auslösen.

Eine Impfung stellt die sicherste und einfachste Vorbeugung einer Infektionskrankheit dar. Gut zu wissen und für dich sicher beruhigend: Es gibt für keine in Deutschland zugelassenen Impfstoffe keine Hinweis, dass sie eine Autoimmunerkrankung verursachen oder einen Schub einer bestehenden Erkrankung auslösen können.

Tipps und Tricks

Impfungen gehören für Menschen mit Lupus zu den wichtigen Basismaßnahmen – worauf auch du als Betroffene immer achten solltest. Deshalb sind Impfungen ein zentraler Bestandteil des „SASKIA“-Schemas für die Lupus-Therapie (mehr dazu hier).

Alarmierend niedrige Impfraten bei SLE-Patient*innen in Deutschland

Dass viel zu wenige Lupus-Patient*innen ausreichend geimpft sind, zeigen Ergebnisse der deutschen Lupus-Langzeitbeobachtung (LuLa), die viele Angaben von Betroffenen zu ihrer Lupus-Erkrankung und dem Leben damit sammelt. Die niedrigen Raten für einige der wichtigsten Impfungen, wie z. B. gegen Tetanus, Influenza, Pneumokokken und Meningokokken, zeigen eine große Versorgungslücke auf.

Woran das liegt? Oft ist einfach nicht klar genug, wer sich dafür zuständig fühlt. Vielleicht denkt die Rheumatolog*in, dass die Hausärzt*in sich um die Impfungen kümmert und umgekehrt. Vielleicht gibt es auch Unklarheit darüber, welche Impfungen bei einem Menschen mit Lupus gemacht werden sollten. Am besten, du behältst das auch selbst im Blick und fragst aktiv nach. Nimm das unbedingt ernst, denn am Ende hast du die Infektionen und das damit verbundene Risiko.

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Bevor du das Impfen direkt auf deine Liste mit Themen fürs Arztgespräch setzt, haben wir noch einige Informationen über Impfungen für dich.


Wie wirken Impfstoffe?

In aller Kürze: Impfstoffe können vor Infektionskrankheiten schützen, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von schützenden Antikörpern und Vermehrung bestimmter Immunzellen anregen. Das kann auf zwei Wegen geschehen:

  • Aktive Immunisierung
    Hier wird der Erstkontakt mit einem Krankheitserreger nachgeahmt. Als Impfstoff werden Erreger (abgeschwächt oder tot) oder einzelne Moleküle des Erregers injiziert.
  • Passive Immunisierung
    Hier werden Antikörper verabreicht. Diese Art der Immunisierung kann beispielsweise bei bereits erfolgter Infektion ungeimpfter Personen notwendig werden.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, kannst du auf der Website des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller hier mehr lesen.


Welche Impfstoffe für Lupus-Betroffene geeignet sind

Sogenannte Totimpfstoffe enthalten nur abgetötete Erreger oder Bruchteile von diesen, daher können sie die Krankheit, gegen die sie gerichtet sind, nicht selbst auslösen. Somit sind sie auch bei Immungeschwächten uneingeschränkt empfohlen.

Im Unterschied dazu enthalten Lebendimpfstoffe abgeschwächte, vermehrungsfähige Erreger. Wenn du mit Immunsuppressiva behandelt wirst, solltest du NICHT mit Lebendimpfstoffen geimpft werden, weil es dann ein Risiko für eine Erkrankung durch abgeschwächte Impfviren gibt.


Welche Impfungen sinnvoll sind

Besprich mit deiner Ärzt*in, welche Impfungen du wann bekommen solltest, um bestmöglich geschützt zu sein. Folgende Impfungen werden von den Rheuma-Spezialist*innen der „European Alliance of Associations for Rheumatology“ (EULAR) als besonders wichtig hervorgehoben:

  • Starke Empfehlung für Impfung gegen Grippe/Influenza

    • Symptome und Risiko: Die „echte Grippe“ (Influenza) kann bei Immungeschwächten – also auch bei Lupus-Betroffenen – einen deutlich schwereren Verlauf nehmen, der zur Einweisung ins Krankenhaus führen und sogar tödlich enden kann.
    • Impfung: Immungeschwächte sollten sich ebenso wie die Menschen, mit denen sie zusammenleben/wohnen, jedes Jahr im Herbst mit dem jeweils aktuellen Impfstoff impfen lassen – egal, wie alt sie sind.
  • Starke Empfehlung für Impfung gegen Pneumokokken

    • Symptome und Risiko: Pneumokokken sind die häufigsten Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung. Sie können auch andere schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankungen im gesamten Körper auslösen. Außerdem kann es im Rahmen von Influenza-Erkrankungen (echte Grippe) gehäuft zu Sekundärinfektionen mit Pneumokokken kommen.
    • Impfung: Für Immungeschwächte ist diese Impfung wichtig und altersunabhängig empfohlen. Es bietet sich an, den Termin mit dem jährlichen Grippeschutz zusammenzulegen. Diese Impfungen können problemlos gleichzeitig verabreicht werden.
  • Impfung gegen Meningokokken

    • Symptome und Risiko: Meningokokken können eine Hirnhautentzündung auslösen. Auch können sie andere schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankungen im gesamten Körper verursachen. Immungeschwächte sind besonders gefährdet.
    • Impfung: In Deutschland kommen die Meningokokken-Erregergruppen A, C, W, Y und B am häufigsten vor. Gegen alle gibt es Impfstoffe, zum Teil als Kombinationsimpfung.
  • Impfung gegen COVID-19

    • Symptome und Risiko: COVID-19 zeigt sich vor allem durch grippeähnliche Symptome. Insbesondere bei immungeschwächten Menschen kann die Erkrankung deutlich schwerer verlaufen.
    • Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung ausdrücklich! Welcher Impfstoff in welchem Turnus aktuell in Frage kommt, kann im ärztlichen Gespräch geklärt werden
  • Impfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Pertussis (Keuchhusten)

    • Symptome und Risiko: Die teils lebensbedrohlichen Erkrankungen sind für Menschen mit Immunschwäche besonders gefährlich. Das Tetanus-Bakterium bildet ein starkes Nervengift, das zu Krämpfen der Muskulatur führt. Das Diphtherie-Bakterium hat die Fähigkeit, ein Gift zu bilden, welches zu Herzmuskelschäden und Nervenlähmungen führen kann.
    • Impfung: Die Pertussis-Impfung sollte bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung als sogenannte „Tdap“-Kombinationsimpfung verabreicht werden. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind wichtig.
  • Impfung gegen Hepatitis B

    • Symptome und Risiko: Eine Infektion der Leber mit Hepatitis-B-Viren kann zu Gelbsucht führen. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko, dass diese chronisch wird und dies kann zur Leberzirrhose (Leberschrumpfung) oder sogar zu Leberkrebs führen.
    • Impfung: Die Impfung gegen Hepatitis B schützt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einer Erkrankung und deren Folgen.
  • Impfung gegen Herpes zoster (Gürtelrose)

    • Symptome und Risiko: Alle Menschen, die einmal Windpocken hatten (mehr als 95 % der Erwachsenen), tragen das Virus weiter in sich. Bei einem schwachen oder nachlassenden Immunsystem können sich die Windpockenviren später reaktivieren und eine Gürtelrose verursachen. Neben einem unangenehmen, schmerzhaften Ausschlag treten oft langanhaltende, schwer zu behandelnde Nervenschmerzen als Komplikation auf.
    • Impfung: Ab einem Alter von 50 Jahren bezahlen die Krankenkassen die Impfung für Immungeschwächte. Für Jüngere kann sich eine individuelle Erstattungsanfrage bei der eigenen Krankenversicherung lohnen.

Eine praktische Impf-Checkliste fürs Arztgespräch findest du hier als PDF.

Warum der Impfstatus deines Umfelds wichtig ist

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Viele Menschen mit Lupus entwickeln nur eine abgeschwächte Impfreaktion, das heißt, der Körper bildet einen geringeren Impfschutz aus als der eines gesunden Menschen. Das kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der Lupus sehr aktiv ist oder für die individuelle Therapie eher aggressive Medikamente notwendig sind. Dann sollte auch immer das direkte Umfeld – z. B. Familie, Partner*in – gut durchgeimpft werden. So umgibt die Menschen mit Lupus sozusagen ein zusätzlicher äußerer Schutzschild gegen Infektionen. Denn wenn die Menschen im Umfeld nicht krank werden, können sie auch keine*n Lupus-Betroffene*n anstecken.


Falls du Bedenken hast, dich impfen zu lassen

Einige Menschen – auch Lupus-Betroffene – stehen Impfungen skeptisch gegenüber oder haben schlechte Erfahrungen gemacht. Die Gründe, sich nicht impfen zu lassen, sind ganz unterschiedlich, wie Ergebnisse der deutschen Lupus-Langzeitbeobachtung (LuLa) zeigen:

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Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen

Viele Zweifel gegen Impfungen halten sich seit Jahrzehnten – sie beruhen aber auch auf Jahrzehnte alten Studien. Die Medizin entwickelt sich aber extrem schnell weiter. Um heutzutage eine Zulassung zu bekommen, müssen für Impfstoffe riesige Mengen an Daten ermittelt und zusammengestellt den Behörden eingereicht werden.

Die vorgelegten Daten müssen belegen, dass die Impfungen wirken und eine Infektionskrankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern können. Sie müssen auch nachweisen, mit welchen Nebenwirkungen sie verbunden sind. Nur wenn die Bilanz zwischen der Wirkung der Impfung und den möglichen Nebenwirkungen deutlich positiv ausfällt, werden Impfstoffe überhaupt zugelassen. Jede nach der Zulassung auftretende Nebenwirkung muss gemeldet und regelmäßig den Arzneimittelbehörden vorgelegt werden. Nutzen und Risiko werden so fortlaufend weiter bewertet, eine Besonderheit würde sofort auffallen und begutachtet werden.


STIKO-Empfehlungen auch für Menschen mit Immunschwäche

In Deutschland sieht sich die STIKO, die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, alle Impfstoffe noch mal ganz genau an und entscheidet, ob und für welche Patient*innen ein Impfstoff empfohlen wird. Viele wichtige Impfungen empfiehlt sie ganz besonders für Menschen mit Immunschwäche, wie sie auch Menschen mit Lupus haben.

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Für die zugelassenen Impfstoffe wurde also gezeigt, dass geimpfte Menschen deutlich besser vor bedrohlichen Infektionen geschützt sind als Ungeimpfte. Das Risiko, als Ungeimpfte*r eine schwere Infektion zu bekommen, die auch einen Lupus-Schub auslösen kann, ist wesentlich größer als das mit einer Impfung verbundene Risiko. 


Und wie ist das mit Nebenwirkungen?

Alles, was im menschlichen Körper eine gewünschte Wirkung haben soll, kann auch Nebenwirkungen haben. Jedes Medikament und jeder Impfstoff hat sein eigenes Profil an möglichen bekannten Nebenwirkungen. Die meisten von ihnen sind leicht und vorübergehend. Oft treten leichte Erkältungssymptome, etwas Fieber oder ein Schlappheitsgefühl auf – und oft gehört das auch zur Impfreaktion deines Körpers. Es zeigt an, dass dein Immunsystem auf den Impfstoff reagiert und sich damit beschäftigt – deshalb sind die Symptome oft auch so ähnlich wie bei leichten Infektionskrankheiten. Wenn stärkere Beschwerden auftreten oder Symptome, die nicht im Beipackzettel stehen oder im ärztlichen Gespräch genannt wurden, kontaktiere deine Ärzt*innen lieber einmal zu viel als zu wenig. Denn es kann immer auch eine echte Infektion dahinterstehen – oder deine Lupus-Erkrankung.

 

Lupuscheck Icon wichtige Informationen

Auch über Impfungen entscheidest du selbst.

Besprich dich gründlich mit deiner Ärzt*in. Stelle alle Fragen und du wirst sehen, dass viele mögliche Bedenken ausgeräumt werden. Trotzdem kann es Einzelfälle geben, in denen du dich einmal gegen eine Impfung entscheidest. Es ist dein Lupus.

NP-DE-LPU-WCNT-230024, Oktober 23

Die LupusCheck-Expert*innen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johanna Mucke
Oberärztin,
Universitätsklinikum Düsseldorf

Das LupusCheck Expertenteam

PD Dr. med. Johannes Knitza
Oberarzt,
Universitätsklinikum Gießen & Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

PD Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum 
Hamburg-Eppendorf
 

Das LupusCheck Expertenteam

Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz