Mundgesundheit

Viele Lupus-Patientinnen und -Patienten leiden unter ausgeprägten Veränderungen und Schmerzen im Mund, die sich negativ auf ihre Lebensqualität auswirken.1 Von Geschwüren und Mundtrockenheit bis hin zu Karies und Zahnfleischerkrankungen – der Lupus kann Ihre Mund- und Zahngesundheit erheblich beeinträchtigen. So wie Sie als Lupus-Betroffene/r aufmerksam auf alle neuen Symptome oder Veränderungen Ihres allgemeinen Zustands achten, so sollten Sie auch Ihrer Mund- und Zahngesundheit täglich Beachtung schenken. Lesen Sie hier mehr über den Mund als „Fenster“ zur Gesundheit.

[i] Adaptiert aus https://lupus-rheumanet.net/forschungstudien/zahnstudie (dort keine konkreten Zahlen oder eindeutigen Quellen genannt)Ausgelaugt. Erschöpft. Entkräftet. Es gibt so viele Möglichkeiten, um zu sagen, dass man müde ist. Was beim systemischen Lupus erythematodes mit dem Begriff „Fatigue“ beschrieben wird, geht jedoch weit darüber hinaus. Fatigue ist definiert als eine ungewöhnliche, abnormale oder extreme Ganzkörpermüdigkeit, die nicht mit Bewegung oder Aktivität zusammenhängt. Es ist ein Gefühl der völligen Erschöpfung ohne große körperliche Anstrengung, bei dem auch Schlaf nicht wirklich hilft. Davon berichten 80-90 % der Lupus-Betroffenen. Für Menschen, die mit Lupus leben, ist Fatigue oft eines der ersten und das am stärksten einschränkende Symptom. Es gibt jedoch Wege, ihr entgegenzutreten.
Lupuscheck Icon Zahn

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Lupus-Betroffene, die mehr Zahnfleischerkrankungen verursachende Bakterien im Körper haben, auch eine höhere Krankheitsaktivität aufweisen.2

Anzeichen von Mund- und Zahngesundheitsproblemen bei Lupus3

Zu den häufigen Anzeichen und Symptomen einer beeinträchtigten Mund- und Zahngesundheit gehören:

  • Läsionen, Wunden und Geschwüre im Mund und/oder am Zahnfleisch
  • Zahnfleisch, das rot, empfindlich, blutend und geschwollen ist oder sich von den Zähnen wegzieht
  • Zahnfleischentzündungen (Parodontitis)
  • Anzeichen von Karies oder Zahnverfall
  • schmerzende Zähne oder Schmerzen beim Kauen
  • schlechter Atem
  • Anschwellen der Lippen
  • Entzündung der Zunge
     

Nehmen Sie Wunden im Mund ernst4

Es gibt viele verschiedene Arten von Geschwüren, die von gewöhnlichen Aphthen (Schädigungen der Schleimhaut) und Läsionen (z.B. Verletzungen) bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten oder Symptomen von Erkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) reichen können. Mundgeschwüre und Läsionen sind zwar häufiger systemisch bedingt (wie beim SLE), können jedoch auch ein Zeichen für kutanen Lupus sein, der nur die Haut betrifft.

Bild Lupus erythematodes Mund

Bis zu 40 % der SLE-Patientinnen und -Patienten können verschiedene Wunden und Geschwüre im Mund entwickeln.5

Wunden im Mund können ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Lupus aktiv ist – und Ihre Organe schädigen könnte. Wenn Sie sie bemerken, sollten Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt umgehend darüber informieren. Untersuchen Sie Ihren Mund regelmäßig, um sicherzugehen, dass Sie sich aller Mundgeschwüre bewusst sind, die Sie haben.

Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Sie ein Kind mit Lupus betreuen.6
Wunden im Mund sind eines der Hauptsymptome von Lupus bei Kindern. Sie bleiben oft unbemerkt, weil die meisten Geschwüre schmerzlos sind und am Gaumen auftreten. Eine sofortige Behandlung ist erforderlich, nicht nur um den Lupus bestmöglich zu beruhigen, sondern auch um die Gesundheit der Zähne und des Mundgewebes zu erhalten, während das Kind wächst.

Lupuscheck Bild Kind Zähne


Ursachen für Probleme mit Zahngesundheit und Mundhygiene bei Lupus7

  • Medikamente

    Einige Medikamente, darunter auch einige zur Behandlung von Lupus eingesetzte Mittel, können Mundgeschwüre verursachen. Zu ihnen gehören Immunsuppressiva, Kortikosteroide (Kortison) und Antirheumatika.

  • Falsche Ernährung

    Eine zuckerhaltige Ernährung, säurehaltige Lebensmittel und Getränke (einschließlich Kaffee und Tee) können zu Plaquebildung, Karies und Zahnschmelzerosion führen. Ebenfalls schädlich sind Vitamin-B12- und Eisen-Mangel in der Ernährung.

  • Zu wenig Trinken

    Dehydrierung durch Wassermangel kann zu Plaquebildung, Karies und Zahnschmelzerosion führen. Trinken unterstützt den Speichel, den Mund sauber zu halten, indem er Nahrungspartikel wegspült und die von Bakterien produzierten Säuren neutralisiert. Auch kann ein Sjögren-Syndrom vorliegen: Etwa 15 % der Personen mit schwerem SLE können eine Überschneidung mit dem Sjögren-Syndrom entwickeln. Eines der häufigsten Symptome des Sjögren-Syndroms ist Mundtrockenheit.

  • Zähneknirschen, Zusammenpressen des Kiefers

    Gestresste Menschen knirschen oft mit den Zähnen (Bruxismus), vor allem im Schlaf. Dadurch werden nicht nur Kiefer und Zähne aus dem Gleichgewicht gebracht, sondern es kann auch zu einer vorzeitigen Abnutzung der Zähne kommen, so dass der Zahnschmelz Risse bekommt und sich Bakterien ansiedeln können. Zu den Symptomen der Überlastung der Kiefermuskeln und -gelenke gehören Schmerzen, die Unfähigkeit, den Kiefer vollständig zu öffnen oder zu schließen, ein ungleichmäßiger Biss und Ohrenschmerzen.

  • Beißen auf Wangen-Innenseite und Lippen

    Das Beißen auf die Innenseiten der Wangen und auf die Lippen kann eine Folge von Anspannung und Stress sein. Dies kann nicht nur Mundwunden verursachen, sondern auch vorhandene verschlimmern.

  • Hormonelle Veränderungen

  • Genetische Veranlagung

  • Schlechtsitzender Zahnersatz, Zahnspange

  • Andere Erkrankungen

    Hierzu zählen oraler Lichen planus (Mundschleimhauterkrankung unter Erwachsenen), Leukoplakie, herpetische Gingivostomatitis (durch „Herpes simplex Typ 1" ausgelöste Erkrankung der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs), Reizdarm, saurer Reflux und Zöliakie.

Wenn Sie an Mundgeschwüren leiden und über das Absetzen eines Medikaments nachdenken, sprechen Sie darüber unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt – bevor Sie eine Behandlung abbrechen.

Welche Gewohnheiten Ihnen helfen, Mund- und Zahngesundheit zu erhalten und zu verbessern8

  • Putzen Sie Ihre Zähne nach jeder Mahlzeit oder mindestens zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste, die Sie mindestens alle drei Monate sowie jeweils unmittelbar nach Infektionen wechseln sollten
  • Verwenden Sie Zahnseide oder Interdentalbürstchen mindestens einmal am Tag, wenn nicht nach jeder Mahlzeit
  • Nutzen Sie Mundspülungen (ohne Alkohol), um Bakterien abzutöten, den Zahnschmelz zu stärken, Fluorid zuzuführen und/oder den Mund feucht zu halten
  • Trinken Sie viel Wasser
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, mit wenig Zucker und Säuren, da beides den Zahnschmelz angreifen und Karies verursachen kann
  • Verzichten Sie auf Softdrinks, Kaffee, Tee und Alkohol. Oder trinken Sie sie nur in Maßen
  • Vermeiden Sie zu harte Lebensmittel und zu heiße Getränke
  • Sofern Sie rauchen: Reduzieren Sie es oder geben Sie es auf
  • Schützen Sie Ihre Lippen mit Vaseline oder Lippenbalsam mit UV-Schutz
  • Meiden Sie Sonnenlicht, insbesondere wenn Sie dazu neigen, Lippengeschwüre/Läsionen aufgrund von Lichtempfindlichkeit zu entwickeln
  • Gehen Sie regelmäßig zu zahnärztlichen Untersuchungen und zur Zahnreinigung. Besprechen Sie den für Sie notwendigen Turnus der Besuche. Manche Menschen mit Lupus müssen häufiger zur Zahnärztin/zum Zahnarzt gehen.
  • Lassen Sie sich dort die für Sie richtige Zahnputztechnik zeigen.
Lupuscheck Bild Zahnhygiene


So werden Wunden und Beschwerden behandelt9

Zu den üblichen Behandlungen für Mundgeschwüre, wundes Zahnfleisch und kranke Zähne bei Lupus-Betroffenen gehören neben ärztlicherseits verordneten Medikamenten, Salben, Mundspülungen etc. auch zahnärztliche Behandlungen (von professioneller Zahnreinigung und Zahnsteinentfernung über die Behandlung von Parodontitis, Karies oder Zahnfehlstellungen bis hin zu Zahnersatz). Ihre Zahnärztin/Ihr Zahnarzt wird die für Sie richtige Behandlung vorschlagen.

Was Sie selbst auf jeden Fall immer tun können:10

Lupuscheck icon Zahn

Putzen Sie Ihre Zähne sanft mit einer Zahnbürste mit weichen Borsten und verwenden Sie eine Zahnpasta ohne scheuernde Putzpartikel, die Fluorid enthält.

Icon Erdbeere

Wenn Sie feststellen, dass würzige oder säurehaltige Lebensmittel Ihre Wunden stören, vermeiden Sie diese, bis die Verletzungen abgeheilt sind.

Weitere mögliche Probleme durch schlechte Mundgesundheit11

Studien haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der Mundgesundheit und Erkrankungen des Gesamtorganismus vorliegt. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Bakterien und Viren aus dem Mund die Wände der Blutgefäße infizieren können, was zu Gefäßentzündungen und schließlich zur Bildung von fetthaltigem Plaque und Atherosklerose führen kann. Diese Zustände können zu Herzkrankheiten und Schlaganfällen führen. Diabetes ist eine weitere Erkrankung, die mit einer schlechten Mundgesundheit in Verbindung gebracht werden kann. Parodontalinfektionen können die Kontrolle des Blutzuckerspiegels beeinträchtigen. Auch wird von möglichen Zusammenhängen zwischen einer schlechten Mundgesundheit und u. a. Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), rheumatoider Arthritis, Lungenentzündung und Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen berichtet.

Icon Lupe wichtige Infromationen Lupus

Zeigen Sie Ihrem Lupus die Zähne!

Auch wenn Sie sich manchmal aufgrund anderer Lupus-Symptome nicht wohlfühlen oder aktuell Beschwerden im Mund haben: Achten Sie auf Ihre Zahngesundheit, pflegen Sie eine regelmäßige Mundhygiene und nehmen Sie die zahnärztlichen Kontrolltermine wahr.

Sie wollen mehr über das Management des systemischen Lupus erfahren?
Weiterführende Informationen zum SLE-Management finden Sie hier!

Wir bedanken uns bei Univ.-Prof. Dr. James Deschner und Dr. med. dent. Anna Damanaki (Universitätsmedizin Mainz) für die Unterstützung bei diesem Kapitel.

NP-DE-LPU-WCNT-210038, Dez21

Die LupusCheck-Expert*innen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johanna Mucke
Assistenzärztin,
Universitätsklinikum Düsseldorf

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johannes Knitza
Assistenzarzt,
Universitätsklinikum Erlangen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum 
Hamburg-Eppendorf
 

Das LupusCheck Expertenteam

Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz