Beruf und finanzielle Förderung
Die Diagnose „Lupus“ bedeutet nicht, dass du dich umgehend von deinen beruflichen Zielen verabschieden musst. Je nach Krankheitsaktivität und -schwere ist Arbeiten auch mit Lupus weiterhin möglich. Im beruflichen Umfeld ist es hilfreich, sich folgende Fragen zu stellen: Wie gehe ich mit dem Lupus am Arbeitsplatz um? Möchte ich darüber sprechen oder ihn lieber verschweigen? Hier liest du einiges an Für und Wider. Auch findest du im Folgenden Hinweise auf finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, die du gegebenenfalls beanspruchen kannst, um deine Berufstätigkeit zu fördern und zu sichern.
Wenn dein Lupus nicht oder nur wenig sichtbar ist, kannst du die Erkrankung leicht verbergen. Ob dies oder ein offener Umgang mit dem Lupus im Beruf zu empfehlen ist, kannst nur du selbst entscheiden. Studien haben gezeigt, dass berufstätige Menschen eher zurückhaltend mit ihrer chronischen Erkrankung umgehen und erst nach Ende ihrer Erwerbstätigkeit offener darüber sprechen. Daneben gibt es natürlich auch Lupus-Betroffene, die erfolgreich im Beruf stehen und gute Erfahrungen mit ihrer Offenheit gemacht haben. Ob „Ja“ oder „Nein“: Du selbst kannst am besten einschätzen, wie dein berufliches Umfeld auf diese Mitteilung reagieren würde. Hier findest du einige Argumente für beide Entscheidungswege.
Offener Umgang mit Lupus im Beruf: Vor- und Nachteile
Eine chronische Erkrankung wie Lupus legt man selten durch eine einmalige allgemeine Mitteilung, sondern meist eher nach und nach offen. Oft steht am Anfang das Bedürfnis, sich einer bestimmten Person anzuvertrauen. Erst später reift der Entschluss, sich weiteren Personen mitzuteilen.
Bei der Suche nach dem Weg, der für dich persönlich am besten passt, kommt es darauf an, was du mit deiner Entscheidung für dich erreichen möchtest. Einige mögliche Auswirkungen des offenen Umgangs mit der Lupus-Erkrankung, ob positiv oder negativ, findest du hier:
Mögliche Vorteile eines offenen Umgangs mit Lupus im Beruf
Mögliche Nachteile eines offenen Umgangs mit Lupus im Beruf
Vor- und Nachteile, wenn du deinen Lupus am Arbeitsplatz verschweigst
Befürchtungen, den Arbeitsplatz zu verlieren oder auch „nur“ persönliche Anerkennung oder mögliche Karrierechancen, können einem offenen Umgang mit Lupus im Wege stehen. Jede Person hat ihre eigenen, persönlichen Gründe, nicht über eine chronische Erkrankung zu sprechen. Vielleicht siehst du zu diesem Zeitpunkt keinen Grund, im Beruf über deinen Lupus zu sprechen – z. B., weil du derzeit keine Probleme bei der Ausführung deiner Arbeit hast und es dir leichtfällt, deine gesundheitliche Beeinträchtigung für dich zu behalten.
Hier geht es um mögliche Aspekte, die für bzw. gegen das bewusste Verschweigen einer chronischen Erkrankung sprechen:1
Mögliche Vorteile, wenn du deinen Lupus am Arbeitsplatz verschweigst
Mögliche Nachteile, wenn du deinen Lupus am Arbeitsplatz verschweigst
„Bin ich verpflichtet, dem Arbeitgeber von einer Schwerbehinderung durch die Lupus-Erkrankung zu berichten?“
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) e. V. gibt hierzu Hinweise: Ein schwerbehinderter Mensch ist grundsätzlich nicht verpflichtet, von sich aus auf für ihn nachteilige Umstände hinzuweisen. So ist er z. B. nicht verpflichtet, bei einem Vorstellungsgespräch oder einer Bewerbung von sich aus auf seine Schwerbehinderung hinzuweisen. Anders sieht es aus, wenn aufgrund der Schwerbehinderung die geforderte Arbeit nicht erbracht werden kann oder die für den Arbeitsplatz ausschlaggebende Leistungsfähigkeit eingeschränkt wird. Dann muss die Schwerbehinderung offengelegt werden.
Der Arbeitgeber kann jedoch anders fragen, wenn eine bestimmte körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder die seelische Gesundheit eine entscheidende Voraussetzung für einen konkreten Arbeitsplatz ist. Dann darf gefragt werden, ob die Bewerber*in an gesundheitlichen, seelischen oder anderen Beeinträchtigungen leidet, durch die sie oder er für die Erfüllung der erwarteten arbeitsvertraglichen Pflichten ungeeignet ist. Aber nur dann! Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, ist die Frage nach der Schwerbehinderteneigenschaft unzulässig und stellt eine unmittelbare Diskriminierung dar.
Vorbereitung auf ein Gespräch über gesundheitliche Beeinträchtigungen
Mit Arbeitgeber oder Kolleg*innen über die Folgen der Lupus-Erkrankung zu sprechen, kann sehr herausfordernd sein. Um dennoch selbstsicher und zielbewusst in solche Gespräche zu gehen, empfiehlt es sich, sich sowohl inhaltlich als auch emotional gut vorzubereiten. Wichtig ist, eine aktive Rolle in der Kommunikation einzunehmen – mehr dazu findest du hier.
Folgende W-Fragen geben Orientierung:
- Was ist mein Anliegen?
- Was ist mein Ziel?
- Welche gesundheitsbezogenen Informationen benötigt mein*e Vorgesetzte*r bzw. mein Arbeitgeber?
- Was möchte ich keinesfalls preisgeben?
- Wo soll das Gespräch stattfinden?
- Wer sollte am Gespräch teilnehmen?
Finanzielle Förderung im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit
Es ist möglich, finanzielle Unterstützung zu beanspruchen, um die Erwerbstätigkeit mit Lupus zu fördern oder zu sichern. Voraussetzung ist eine anerkannte Schwerbehinderung. Die Unterstützung kann in einer finanziellen Förderung des Arbeitgebers oder der beschäftigten schwerbehinderten Arbeitnehmer*in bestehen.
Die bekanntesten und wichtigsten Förderbereiche sind:
- technische Arbeitshilfen (z. B. ein Bürostuhl, auf dem man schmerzfrei sitzen kann)
- Arbeitsassistenz (eine arbeitsbezogene personelle Hilfe)
- berufliche Weiterbildung
- Kraftfahrzeughilfe (z. B. ein Zuschuss zur Anschaffung eines Kraftfahrzeugs, wenn dieses zum Erreichen der Arbeitsstätte erforderlich ist)
Um herauszufinden, ob eine Förderung infrage kommt und welche die richtige ist, kannst du dich beim zuständigen Integrationsamt beraten lassen. Das für dich zuständige Integrationsamt findest du hier: https://www.bih.de/integrationsaemter/. Hinweise zu finanziellen Leistungen gibt vorab die Broschüre „ZB SPEZIAL Finanzielle Leistungen“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) e. V.
Wenn es wegen der Erkrankung am Arbeitsplatz schwierig wird: Beratungsangebote
Bei Problemen am Arbeitsplatz, die im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Lupus stehen, solltest du ohne Zögern frühzeitig professionelle Beratung und Unterstützung in Anspruch nehmen.
Erwerbstätige mit anerkannter Schwerbehinderung aufgrund der Erkrankung können sich für Rat und Hilfe kostenlos an folgende Stellen wenden:
- Integrationsamt (Datenbank zur Suche des Integrationsamts in Wohnortnähe: https://www.bih.de/integrationsaemter/)
- Integrationsfachdienst (Datenbank zur Suche eines Integrationsfachdienstes in Wohnortnähe: https://www.bih.de/integrationsaemter/medien-und-publikationen/fachlexikon-a-z/integrationsfachdienst/)
- Selbsthilfeorganisationen
- Betriebliche Schwerbehindertenvertretung
- Betriebsrat/Personalrat
Wenn noch keine anerkannte Schwerbehinderung vorliegt, stehen folgende kostenlosen Beratungsangebote bereit:
- Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung EUTB (Datenbank zur Suche nach einer EUTB in Wohnortnähe: https://www.teilhabeberatung.de/beratung/beratungsangebote-der-eutb)
- Selbsthilfeorganisationen
- Betriebsrat/Personalrat
Dein Beruf gehört zu dir
Denk in Ruhe darüber nach, ob und in welchem Umfang du dein berufliches Umfeld über deinen Lupus informierst. Informiere dich gut, wo und wie du für die Ausübung deines Berufs, Hilfe und Unterstützung finden kannst.
Wir bedanken uns bei Dr. Carolin Tillmann (Philipps-Universität Marburg) für die Unterstützung bei diesem Kapitel.
NP-DE-LPU-WCNT-260016, 09/2026
Die LupusCheck-Expert*innen
Dr. med. Johanna Mucke
Oberärztin,
Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne
PD Dr. med. Johannes Knitza
Oberarzt,
Universitätsklinikum Gießen & Marburg
Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg
PD Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz