Naturheilkunde

Die Naturheilkunde bietet ein weites Feld von Möglichkeiten, die für jede*n unterschiedlich sein können und ganz individuelle Ziele verfolgen. In diesem Beitrag werden einige Ansätze zur ergänzenden Behandlung des systemischen Lupus erythematodes aufgezeigt. Sie zielen darauf ab, die klassische medizinische Therapie auf anderen Ebenen zu unterstützen – sie sollen sie keinesfalls ersetzen. Die Maßnahmen reichen von solchen, die grundsätzlich allen Menschen guttun (wie regelmäßige Bewegung), über das Stärken eigener Ressourcen (wie Entspannungstechniken, Musik oder Tanz) bis hin zu eingreifenderen Ansätzen, die mit einer Ärztin/einem Arzt für Naturheilkunde abgesprochen werden sollten. Hier lesen Sie einen Auszug aus der Vielfalt der Naturheilkunde.

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„Der Körper verfügt über immense Selbstheilungskräfte, die natürlich nicht wachgerufen werden, wenn man auf dem Sofa liegt und Kekse isst, sondern die stimuliert, sozusagen herausgekitzelt werden müssen. Das ist das große Thema der Naturheilkunde, wie man selber mit allen Faktoren der Natur von Stressreduktion, Entspannung, Bewegung, Wasser, Licht, Wärme und Kälte, Fasten, Ernährung, Heilpflanzen etc. dafür sorgen kann, dass der Körper optimal unterstützt wird, hinsichtlich seiner Selbstheilungsmöglichkeiten.“

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité

Einfluss von Stress

Bei einer chronischen Erkrankung wie dem Lupus ist es wichtig, sein eigenes Stressverhalten zu kennen, sich die eigene Steuerung des Stresses bewusst zu machen und für sich positiv umzusetzen. Ziel ist es, zusätzlichen Stress/Stress-Spitzen zu vermeiden bzw. gekonnt zu regulieren, um schnell wieder einen entspannten Zustand zu erlangen. Wer den Stress reguliert, trägt zum wichtigsten Behandlungsziel bei: den Lupus bestmöglich zu beruhigen.

Bild Lupus erythematodes Mund

Bedeutung der Naturheilkunde

Die Naturheilkunde kann in der Lupustherapie als unterstützende und ergänzende Behandlung sehr sinnvoll sein. Bei guter Wirkung kann sie auch manche Medikamente einsparen helfen, z. B. Schmerzmittel. Viele verschiedene Maßnahmen zählen zur Naturheilkunde. Hierunter sind einige zu finden, die grundsätzlich jedem Menschen guttun und anzuraten sind, wie z. B. eine gesunde mediterrane Kost und regelmäßige, auf das Individuum angepasste Bewegung. Andere Mittel zielen darauf ab, sich besser zu fühlen und seine eigenen Ressourcen zu stärken, durch z. B. Entspannungstechniken, Musik- oder Tanztherapie. Eingreifendere Maßnahmen, wie z. B. Tabletten, Tees, Tinkturen oder körperliche Anwendungen, sollten mit einer Ärztin/einem Arzt für Naturheilkunde abgesprochen werden. Sie können, wenn sie falsch angewendet werden, auch Schaden verursachen.

Tipps und Tricks

Anders als in der Schulmedizin liegen nicht für alle Verfahren der Naturheilkunde langjährige Studien für die Wirksamkeit vor. Vielmehr leitet sich eine Plausibilität aus der Theorie und aus teils jahrhundertelanger Erfahrung ab.

Fünf Säulen der Naturheilkunde

Die klassische Naturheilkunde beruht auf 5 Säulen:

  1. Ordnungstherapie/Mind-Body-Medizin, die zur Steigerung der Selbstheilungskräfte führt
  2. Hydro-/Thermotherapie (Wasser- und Wärme-/Kältetherapie)
  3. Ernährungstherapie
  4. Bewegungstherapie
  5. Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)
Tipps und Tricks

Den Namen Sebastian Kneipp verbinden wir heutzutage hauptsächlich mit den sogenannten Kneipp-Anwendungen mit kaltem Wasser. Dabei ist die Kneipp-Therapie deutlich umfassender, sie gilt als der Ursprung für die moderne Naturheilkunde: Basis der Kneipp-Therapie bilden die vorgenannten 5 Säulen, die individuell kombiniert und auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden.

Alle 5 klassischen Naturheilverfahren können in der Lupus-Therapie angewendet werden. Wichtig dabei ist, die möglichen Verfahren je nach Individuum, Krankheitszustand und auch auf Basis der jeweiligen Interessen von Patientin/Patient zu prüfen und individuell einzusetzen. Hier kann eine persönliche Beratung durch Ärztinnen/Ärzte für Naturheilkunde sinnvoll sein (beispielsweise bietet der Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e. V. eine Suchfunktion auf seiner Website an: http://www.zaen.org/aerzte.html).

Die Naturheilkunde bietet eine Art Lebenskonzept, das sich in allen Lebenssituationen anwenden lässt. Eine wichtige Komponente bildet dabei die Mind-Body-Medizin, denn die eigene positive Einstellung zu seiner Erkrankung, sich selbst und dem Leben, kann einen großen Einfluss nehmen.“

Dr. med. Diana Vossen, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, Naturheilverfahren am Rheinischen Rheuma-Zentrum Meerbusch

Neben den im Folgenden genannten Ansätzen können weitere, unterschiedliche Therapieformen zum Einsatz kommen, wie z. B. verschiedenste Entspannungsverfahren, Meditation, Yoga, Qigong, Musiktherapie, Tanztherapie.

  • Ordnungstherapie/Mind-Body-Medizin

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    • Die Ordnungstherapie bildet die Basis aller Naturheilverfahren. Ziel ist die Förderung und Unterstützung der Eigenaktivität, um den Lebensstil gesundheitsorientiert zu strukturieren und körperliche wie seelische Selbstheilungskräfte zu fördern. Mittels ausführlicher Information, umsetzbarem Training und dem Gefühl der Sinnhaftigkeit, um langfristig motiviert „dranzubleiben“, soll eine dauerhafte Lebensstiländerung stattfinden. Wichtig dabei ist es, zunächst den eigenen aktuellen Lebensstil zu reflektieren:
      • eigene Ressourcen darstellen
      • krankheitsbedingte Einschränkungen feststellen
      • Alltagsverhalten analysieren
    • Darauf aufbauend können konkret und individuell Lebensstiländerungen geschaffen werden, die umsetzbar sind und auch Freude bringen. Wichtige Bausteine der sogenannten Mind-Body-Medizin (Mind=Geist/Verstand, Body=Körper) sind die Spannungsregulation, eine Umstrukturierung der Wahrnehmung hin zu positivem Denken, Bewegung in Form von regelmäßigem Ausdauertraining, Ernährung, soziale Unterstützung durch das Umfeld oder durch Gruppen und naturheilkundliche Selbsthilfestrategien (im Sinne einer eigenständigen Anwendung der Therapieformen).
  • Hydro-/Thermotherapie

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    • Wärmetherapie kann lokal erfolgen, z. B. durch Wickel, oder als Ganzkörper-Wärmetherapie angewendet werden, z. B. durch Infrarotkabinen in Saunaanlagen. Ähnlich kommt die Kältetherapie zum Einsatz, lokal durch Kältepackungen, z. B. Quarkwickel, oder für den ganzen Körper durch Kältekammern. Die Wassertherapien (Wasser=Hydro) können z. B. Vollbäder mit Zusätzen wie Heublumen sein. Die Anwendungen werden je nach Krankheitszustand des systemischen Lupus erythematodes ausgewählt. Beispielsweise können bei einem entzündeten Gelenk Methoden der lokalen Kältetherapie, z. B. in Form von Wickeln (Quark- oder Kohlwickel), eingesetzt werden. Bei aktiver Entzündung sollten keine wärmenden Therapien angewandt werden.
  • Ernährungstherapie

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    • Die Ernährungstherapie zielt insbesondere darauf ab, Stoffe zu vermeiden, aus denen Entzündungssignale an den Körper gebildet werden (fachlich als Hemmung der Biosynthese der Eicosanoide bezeichnet). Eine gesunde Vollwerternährung entspricht diesem Ziel: naturbelassene Lebensmittel, wenig Fleisch, Öle wie Raps oder Walnuss, Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus fettem Seefisch), Obst, Gemüse etc. Dieser Ernährungsstil ist ähnlich einer mediterranen Lebensweise. Noch ein Wort zum Heilfasten1, das zur Ernährungstherapie zählt: Es sollte ärztlich begleitet werden und dessen Anwendung ist, wie bei vielen anderen Therapien, vom aktuellen Krankheitszustand abhängig. Heilfasten sollte nie bei einem Lupus-Schub durchgeführt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erläutert hier das Konzept des Heilfastens.
  • Bewegungstherapie

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    • Hier kommen sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining in Frage, ebenso Yoga und vieles andere mehr. Der Fokus liegt auf Ausdauertraining und hier insbesondere Training, das der Patientin/dem Patienten selbst Spaß macht.

    Darf’s etwas mehr Info zu Bewegung & Sport sein? Dann bitte hier entlang.

  • Phytotherapie

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    • Pflanzenheilkunde kann schmerzlindernd eingesetzt werden für antientzündliche Effekte. Auch kann eine immunsuppressive Wirkung möglich sein, was für Sie mit Ihrer chronischen Autoimmunerkrankung hilfreich sein kann. Die Effekte der Phytotherapeutika sind je nach Pflanze unterschiedlich. Beachten Sie dabei, dass pflanzliche Mittel nicht als Ersatz der medizinischen Lupus-Therapie eingesetzt werden, sondern vielmehr als Unterstützung dienen können. Medikamentöse Veränderungen sollten nur in Rücksprache mit der Rheumatologin/dem Rheumatologen durchgeführt werden.
    • Für den systemischen Lupus erythematodes können in der Naturheilkunde Teufelskralle, Curcuma, Brennnessel, Zitterpappel, Esche und Goldrutenkraut zum Einsatz kommen. Manche der Phytotherapeutika können bedenkenlos im Alltag, z. B. beim Kochen, regelmäßig ergänzt werden oder als Kapseln eingenommen werden, wie z. B. Curcuma. Andere Therapeutika sollten zuvor mit einer Ärztin/einem Arzt für Naturheilverfahren besprochen werden. Beispielsweise können Wechselwirkungen mit Medikamenten oder verschiedene Nebenwirkungen auftreten, und manche Therapeutika dürfen bei Erkrankungen wie Asthma, Herzinsuffizienz oder weiteren Krankheiten nicht eingesetzt werden. Es ist ratsam, vor Einnahme von Phytotherapeutika einen Therapieplan erstellen zu lassen.

Die klassische Naturheilkunde wird ergänzt durch viele weitere Verfahren wie Neuraltherapie, Akupunktur und andere Anwendungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Gerade als Lupus-Betroffene sollten Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sprechen, welche Maßnahmen für Sie die richtigen sein können bzw. welche Anwendungen ungeeignet sind oder vielleicht sogar schaden können.

Nun neugierig auf Naturheilkunde?

Hier kann es hilfreich sein, sich an eine Ärztin/einen Arzt für Naturheilverfahren zu wenden, idealerweise mit guten Kenntnissen in der Rheumatologie. Zu Beginn steht meist ein ausführliches Anamnesegespräch, das Ausgangspunkt ist für Therapievorschläge inklusive Behandlungsplan.Ihrem Arzt.

Lupus-Website Icon Lupe

Die eigene Naturheilkunde für den eigenen Lupus.

Manches aus der Naturheilkunde dürfte Ihnen bereits bekannt sein oder gibt Ihnen nun den Impuls, es selbst anzuwenden. Anderes sollten Sie mit Ihrer Ärztin/Arzt besprechen, was davon für Sie mit Ihrem ganz eigenen Lupus hilfreich sein kann.

Sie wollen mehr über das Management des systemischen Lupus erfahren?
Weiterführende Informationen zum SLE-Management finden Sie hier!

Wir bedanken uns bei Dr. med. Diana Vossen, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, Naturheilverfahren am Rheinischen Rheuma-Zentrum Meerbusch, für die Unterstützung bei diesem Kapitel.

NP-DE-LPU-WCNT-220023, Aug22

  • Quellen

    [1 ]Buch-Tipp: Prof. Dr. Andreas Michalsen: „Mit Ernährung heilen. Besser essen – einfach fasten – länger leben. Neuestes Wissen aus Forschung und Praxis“, Insel-Verlag, ISBN 978-3-458-36466-5

Die LupusCheck-Expert*innen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johanna Mucke
Oberärztin,
Universitätsklinikum Düsseldorf

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johannes Knitza
Assistenzarzt,
Universitätsklinikum Erlangen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum 
Hamburg-Eppendorf
 

Das LupusCheck Expertenteam

Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz