Therapieziele bei der Behandlung des Lupus

Die allgemeinen Therapieziele beim SLE im Überblick:

  • Beruhigte Krankheitsaktivität
  • Weniger und/oder schwächere Lupus-Schübe
  • Kortison minimieren und möglichst absetzen
  • Das Risiko für Organschäden bestmöglich senken
  • Die Lebensqualität der Betroffenen verbessern/normalisieren

Die Betroffenen brauchen eine genau auf sie einzeln abgestimmte und flexible Behandlung, abhängig von den eigenen Symptomen und der individuellen Lebenssituation.

Therapieziele Lupuscheck


Hintergrund der Therapieziele

Wenn der Lupus aktiv ist, werden so genannte Auto-Antikörper gebildet – das sind Proteine (Eiweiße), die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Diese Auto-Antikörper können Krankheitsschübe verursachen und lösen in den betroffenen Organsystemen Entzündungen aus, z. B. in der Haut, den Gelenken oder den Nieren. Dann werden meist Medikamente gebraucht. Diese können die Entzündung unterdrücken und teilweise in die Entstehung der Krankheit eingreifen und so die Symptome lindern. Die Krankheit selbst und die Medikamente – besonders das Kortison - können auf Dauer die Organe irreversibel schädigen. Parallel zu diesem Krankheitsgeschehen ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt – z. B. durch Schmerzen, sichtbare Symptome oder auch eine bleierne Erschöpfung („Fatigue“).
 

Oberstes Therapieziel ist die langfristige und bestmögliche Beruhigung der Krankheitsaktivität. Wenn der Lupus kontrolliert werden kann, ist häufig ein weitgehend normales Leben möglich.


Therapieziele immer individuell

Da sich Symptome, Erkrankungsverläufe und Organbeteiligungen bei den Patientinnen und Patienten sehr stark unterscheiden können, brauchen die Betroffenen eine genau auf sie abgestimmte Behandlung – in Abhängigkeit von den jeweiligen Symptomen und auch von der jeweiligen Lebenssituation. Jede betroffene Person erhält eine individuell angepasste Therapie, die auf die selbst definierten Therapieziele ausgerichtet ist. Das kann die Verbesserung eines bestimmten Symptoms sein oder auch etwas, wozu man wieder in der Lage sein möchte, z. B. wieder Sport machen, erwerbstätig sein oder abends die Kraft für private Aktivitäten haben. Jede und jeder Erkrankte hat einen eigenen Lupus.


Prinzipien bei der Verfolgung der individuellen Ziele

Für alle Patientinnen und Patienten gilt bei der Verfolgung der individuellen Therapieziele:

  • Keine Zeit verlieren
  • Immer alles ansprechen, was als belastend empfunden wird
  • Klare Ziele definieren
  • Entscheidungen gemeinsam mit Ärztin/Arzt treffen und dabei auch die Lebensqualität berücksichtigen
  • Zielerreichung regelmäßig anhand konkreter Werte kontrollieren
  • Therapie nach definierten Zeiträumen immer wieder anpassen, falls die gesteckten Ziele noch nicht erreicht wurden
  • Medikamente nicht einfach absetzen, sondern immer mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen, wie man die Therapie verändert

„Treat-to-Target“

Das „Treat-to-Target“-Konzept beschreibt ein Vorgehen, das bei unterschiedlichen Erkrankungen verfolgt wird: Es gibt eindeutig vor, dass man zu Beginn der Therapie klare Ziele (= Target) benennt, die man mit Hilfe der Behandlung (= Treatment) erreichen möchte. Es gilt, so früh wie möglich in den Krankheitsverlauf einzugreifen und ihn positiv zu beeinflussen – denn je früher die Aktivität des Lupus kontrolliert ist, desto besser ist die langfristige Prognose für die Patientinnen und Patienten.


Behandlungsgrundlage für alle SLE-Patientinnen und -Patienten

Zur Behandlung des Lupus werden neben diversen Basismaßnahmen auch verschiedene Medikamente eingesetzt.

Die als grundlegend für alle Lupus-Betroffenen empfohlenen Maßnahmen werden im Deutschen mit „SASKIA“ abgekürzt. Dazu gehört eine medikamentöse Dauertherapie mit einem Antimalariamittel (meist Hydroxychloroquin). Weitere wesentliche Basismaßnahmen umfassen Sonnenschutz und eine Vitamin-D-Gabe zum Schutz der Knochen. Außerdem sollten Menschen mit SLE vollständig geimpft sein, um dem Risiko von Infektionen bestmöglich vorzubeugen. Sie sollten zudem regelmäßig auf Risikofaktoren für Einlagerungen in den arteriellen Blutgefäßen (Atherosklerose) kontrolliert werden.

SASKIA

SASKIA-Maßnahmen bei SLE1

Analog zu „SASKIA“ wird im Englischen die Abkürzung „BASIC“ genutzt: „Bones“ (Knochen), „Antimalarial“, „Sun protection“ (Sonnenschutz), „Immunization“ (Impfung), „Cardiovascular“.

Zum Einsatz von Medikamenten erfahren Sie hier mehr, während Sie über die Basismaßnahmen hier mehr lesen.


Gemeinsam entscheiden: die richtige Therapie zur richtigen Zeit

Welche Therapie zu welchem Zeitpunkt die beste ist, richtet sich u. a. nach

  • dem Schweregrad der Lupus-Erkrankung
  • der Krankheitsaktivität, da sich die optimale Therapie von Schub zu Schub unterscheiden kann
  • den aktuell bestehenden Organbeteiligungen
  • individuellen Begleiterkrankungen
  • Mitarbeit, Wünschen, Lebensplanung und Lebensführung der Patientin oder des Patienten.

Für die Behandlung des Lupus ist es wichtig, dass Patientin/Patient und Ärztin/Arzt an einem Strang ziehen. Gleichzeitig kann der Blickwinkel ganz unterschiedlich sein: Die Patientin oder den Patienten belasten oft vor allem sichtbare Symptome, z. B. Haut, Gewicht oder spürbare Symptome, wie Schmerzen oder starke Müdigkeit. Die Ärztinnen und Ärzte hingegen achten vielfach vorrangig auf den Schutz der lebenswichtigen Organe, z. B. Nieren oder Gehirn. Symptome dieser Organe bemerken die Patientinnen und Patienten oft lange nicht – das macht es schwer, die ärztliche Besorgnis zu verstehen. Beide schauen manchmal quasi aneinander vorbei.
 

02:10

NP-DE-LPU-VID-190002, Nov19


Langfristig denken und so schnell wie möglich handeln

Jede Krankheitsaktivität des systemischen Lupus erythematodes (SLE) ist immer mit einer Entzündung verbunden. Das frühzeitige Erreichen einer niedrigen Krankheitsaktivität (oder sogar Remission), optimalerweise vor dem Auftreten erster Organschäden, ist daher entscheidend. Sowohl Anzahl und Intensität der Schübe als auch ein damit einhergehender Einsatz von Glukokortikoiden (wie Kortison) können auf Dauer Organschäden begünstigen und die Prognose negativ beeinflussen.
 

Therapie-Optionen regelmäßig ausführlich besprechen
Sie haben eine chronische Erkrankung, die fast immer eine lebenslange Therapie erfordert. Umso wichtiger ist es, Therapieziele und mögliche Optionen ausführlich und regelmäßig – auch bei milder oder inaktiver Erkrankung – mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zu besprechen.

Sie wollen mehr über das Management des systemischen Lupus erfahren?
Weiterführende Informationen zum SLE-Management finden Sie hier!

NP-DE-LPU-WCNT-210010, Jun21

Die LupusCheck-Expert*innen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johanna Mucke
Assistenzärztin,
Universitätsklinikum Düsseldorf

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Johannes Knitza
Assistenzarzt,
Universitätsklinikum Erlangen

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. Carolin Tillmann
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsbereich Sozial- und
Rehabilitationspädagogik,
Philipps-Universität Marburg

Das LupusCheck Expertenteam

Dr. med. Martin Krusche
Oberarzt,
Universitätsklinikum 
Hamburg-Eppendorf
 

Das LupusCheck Expertenteam

Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke
Leiterin des Schwerpunkts Nephrologie
und Nierentransplantation,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz